Die Rheinpfalz, 13.07.2005

Neustadter Aushängeschild

Die »Blue note BIG BAND« brilliert beim Rathauskonzert und kaum einer geht hin

Neustadts Aushängeschild in Sachen Bigbandsound, die Blue note BIG BAND, hatte am Sonntagabend in den romantischen Rathausinnenhof geladen, doch leider folgten viel zu wenige Gäste dieser Einladung. Schade eigentlich, denn sie hätten vor der Sommerpause noch einmal richtigen Big-Band-Jazz der Extraklasse erleben können. Dabei sind alle Musiker und Musikerinnen Amateure, bis auf Bandleader Bernd Gaudera, der selbst am Saxophon mitspielt und auch im täglichen Leben mit Musik zu tun hat.

Ein beliebter Radiosender hat das Motto »Mehr Hits, mehr Kicks« geprägt. Solche Kicks könnte man beim Hören der Blue note BIG BAND auch bekommen, wenn mit zackigen Attacks und rasiermesserscharfen Einsätzen die Stücke präsentiert und die Gehörgänge durchgeblasen werden. Dafür sorgen eine Rhythmusgruppe aus Piano, Bass, Gitarre und Schlagzeug in wechselnder Besetzung. Die Big Band voll machen fünf Trompeten, vier Posaunen und fünf Saxophone. Alle 22 Namen aufzuzählen, würde hier natürlich den Rahmen sprengen, erwähnt seien aber drei Frauen: solistisch Sandra Scheurer am Altsaxophon, am Piano Julia Schepers sowie Sängerin Michaela Pommer. Die tritt in unscheinbarem Schwarz-Grau auf, trägt eine Sonnenbrille, und wenn man die Augen schließt und ihre Stimme hört, fühlt man sich an eie amerikanische Jazz-Diva erinnert. Dass es ihr Spaß macht zu singen, spürt man daran, wie es ihr gelingt, die Stücke mit Herzblut zu präsentieren.

Sammy Nestico arrangierte einst für die Count Basie Bigband, einem der großen Vorbilder von Blue note, deshalt startete der Abend richtig swingend mit »This way«. Regelmäßig lädt sich die Neustadter Band Jazz-Größen zu Workshops ein, etwa Bob Mintzer, ein Saxophonist, der in New York lebt, mit dem die Band vergangenes Jahr auftrat, oder die Bigband-Legende Don Menza aus Los Angeles. Dass die Berührung mit solchen Stars auf die musikalische Qualität abfärbt, ist an diesem Abend ständig zu vermerken.

Der »Flight to Nassau« ist ein selten zu hörendes Stück, »da es extrem schwierig war, an die Noten zu kommen«, so Gaudera. Auch Stücke von Pat Metheny stehen auf dem Programm. Mit zackigem »Sportstudio-Schluss« schließt »In a mellow tone«, worauf Balladen von Gershwin, Hymnen an das traumhafte Wetter (»Come rain or come shine«) und moderne Big-Band-Arrangements etwa von dem Belgier Francis Boland folgen. Dessen »Francis Boland/Kenny Clarke Bigband« existierte nur kurz, schuf aber Kleinode wie »Johnny one note«. Auch Peter Herbolzheimer arrangierte und spielte schon mit den Neustadtern, etwa »Heartland« von Pat Metheney oder das traditionelle »I wish you love«, bei dem Michaela Pommer ihre Stimme voll ausleben kann. Zum Schluss gibt »Home Basie« noch die Antwort wie Count Basie klingt, wenn er auf James Brown trifft.

Wer das Konzert verpasst hat, muss warten, denn das nächste große Event der Band wird das Neujahrskonzert am 1. Januar im Saalbau sein. Dann höchstwahrscheinlich wieder mit einem internationalen Gaststar. Die Verhandlungen laufen noch. (ek)